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KHK ©

-  "klassische" und "neue" Risikofaktoren bei Koronarer Herzerkrankung -


KHK - Die "klassischen" Risikofaktoren

Die KHK ist eine komplexe Erkrankung, die nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden kann, sondern von vielen verschiedenen Risikofaktoren beeinflusst wird. Risikofaktor bedeutet dabei, dass das Vorhandensein eines Faktors die Wahrscheinlichkeit des Auftretens erhöht bzw. das Fortschreiten einer Krankheit beschleunigt. Mit einem hohen Cholesterin allein müssen Sie keine KHK bekommen, die Wahrscheinlichkeit derselben wächst aber. Wenn Sie nicht rauchen, können Sie trotzdem Verengungen der Herzkranzgefäße, also eine KHK, entwickeln, bei Rauchern geschieht dies aber deutlich häufiger. 

Wir müssen uns also alle bekannten Risikofaktoren anschauen und optimieren. Die „klassischen“ etablierten Risikofaktoren bei der KHK sind Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Fette und Harnsäure. Beim Gesunden ist man in der Bewertung dieser Faktoren etwas „großzügiger“ als bei Gefährdeten oder sogar bereits Erkrankten. Beispiel: Beim Cholesterin ist besonders das „böse“ LDL-Cholesterin bedeutsam. Während man beim Gesunden mit einem LDL von unter 150 mg/dl zufrieden ist, sollte das LDL bei Vorliegen anderer Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck nicht höher als 130 mg/dl sein. Ist hingegen eine Gefäßerkrankung schon eingetreten oder liegt ein Diabetes vor, so wird ein LDL von unter 100 mg/dl gefordert. Wenn Ihnen der Arzt sagt, der Cholesterinspiegel sei „normal“, so sagt das erst einmal nicht sehr viel aus, da die Normwerte auf dem Laborzettel für Gesunde, nicht aber für Gefährdete oder sogar Erkrankte gelten. 

Neben den klassischen Risikofaktoren sollte auch an Bewegungsmangel und Stress gedacht werden. Wenn man sich vor einer KHK schützen will, sollte man sich mindestens dreimal pro Woche mindestens eine halbe Stunde mit einer Ausdauersportart in seinem individuellen Ausdauerbelastungsbereich bewegen. Manche nichtrauchende, sportliche Vegetarier wundern sich, warum sie eine KHK bekommen, beachten aber nicht, dass sie unter starkem Stress stehen oder unerledigte Konflikte vorliegen.

KHK - Die "neuen" Risikofaktoren 

Daneben sollten auch noch die „neuen“ Risikofaktoren beachtet werden, die zwar wissenschaftlich belegt sind, aber noch keinen Eingang in die therapeutischen Empfehlungen der Kardiologen gefunden haben. Dabei handelt es sich um: 

Homocystein, das bei erhöhten Werten die Blutgefäße schädigen kann. Homocystein ist eine Aminosäure (Eiweißbaustein). Das Homocystein kann allerdings nicht in Eiweiß eingebaut werden, sondern ist nutzlos. Es entsteht ständig in unserem Stoffwechsel (z.B. aus dem in Fleisch reichlich enthaltenen Methionin), wird aber gleich wieder in andere, nützliche Aminosäuren umgebaut. Geschieht dies nur unzureichend, dann steigt der Homocysteinspiegel im Blut an, was das Risiko sowohl für Arteriosklerose als auch für Thrombose erhöht. Das bedeutet, dass sich die Gefäße leichter verengen können und in den verengten Gefäßen kann sich noch leichter ein Gerinnsel bilden, was letztlich zum Gefäßverschluss, zum Infarkt führt.

Studien haben ergeben, dass bereits leichte Homocysteinerhöhungen das Risiko bereits so stark erhöhen wie deutliche Cholesterinerhöhungen. Das Risiko für Todesfälle durch Herzinfarkt oder Krebs verdoppelt sich nach epidemiologischen Studien bereits bei leichten Erhöhungen zwischen 10 und 15 μmol/l (siehe Abb. 1).

Bei Werten über 15 ist das Risiko für Todesfälle bereits vervielfacht. Etwa ein Drittel der Bevölkerung weist Werte über dem Optimalwert von 10 auf. Bei Patienten, deren Gefäßerkrankung durch die üblichen Risikofaktoren nicht recht erklärbar erscheint, wird man sogar noch häufiger fündig (entweder mit dem Homocystein oder einem der anderen erwähnten „neuen“ Risikofaktoren). Warum achten Ärzte so selten auf diesen Wert, obwohl die Studienlage mittlerweile überwältigend ist? Die Antwort lautet: Die Therapie ist zu einfach! Unser Stoffwechsel benötigt zum Abbau des Homocysteins die Vitamine B6, B12 und Folsäure – und zwar alle drei zusammen. Unter einer ausreichend dosierten Vitamintherapie kann man fast jeden Homocysteinwert (bis auf seltene erblich bedingte massive Erhöhungen) in den Normbereich bringen.  

Welche Vitamine in welchen Dosen sind bei erhöhtem Homocystein angezeigt?        

       ►     Folsäure 0,4‑1 mg
 ►    
Vitamine B6 5‑10 mg
 
►     Vitamin B12 10 μg (bei unzureichender Aufnahme über den Darm 300 μg)
 
►     Kombinationspräparate:
 
►     Orthoexpert nutri-cor (Vitamin B6 12,5 mg, B12 400 μg, Folsäure 1 mg,
         Tagesdosis 2x1) Tagestherapiekosten 0,63 €
 
►    
Folsäure Hevert Tabl. (1 tägl. = 5 mg) + B-Komplex forte-Hevert® Tabl. (1 tägl. = B6
         50 mg, B12 500 μg), Tagestherapiekosten
zusammen 0,41 €.


Lipoprotein(a): Ähnelt dem LDL-Cholesterin, ist aber noch gefährlicher 

Lipoprotein(a) (sprich: Lipoprotein klein a) oder Lp(a) ist ein Fetteiweiß, welches dem LDL-Cholesterin sehr ähnlich ist. Es fördert sowohl Arteriosklerose als auch Thromboseneigung. Die Höhe ist zu einem großen Teil erblich festgelegt. Er sollte 0,3 g/l nicht übersteigen. Lp(a) potenziert die schädliche Wirkung anderer Risikofaktoren, besonders des LDL-Cholesterins.

Wie kann man Lp(a) senken? Das ist eine schwierige, bis heute nicht zu beantwortende Frage – jedenfalls was eine Senkung mit einfachen Maßnahmen angeht. Im Gegensatz zum LDL lässt sich Lp(a) nämlich nicht mit diätetischen Maßnahmen oder Cholesterinsynthesehemmern senken. Es wird berichtet, dass hohe Dosen von Nikotinsäure Lp(a) reduzieren sollen. Eindeutige Belege liegen hierzu meines Wissens nicht vor. Die Konsequenz: Wenn das Lp(a) erhöht ist, dann müssen alle anderen Risikofaktoren noch besser eingestellt sein.

Lipoprotein - Struktur

 Abb. 2: Lp(a) ist dem LDL-Kügelchen sehr ähnlich, aber noch gefährlicher

Fibrinogen: Der Blut-Klebstoff

Fibrinogen ist ein Gerinnungsfaktor. Überall, wo eine Wunde auftritt, wirkt Fibrinogen als Kleber und hilft, die Wunde zu verschließen. Es schützt uns daher vor dem Verbluten. Wenn wir eine Läsion an der Innenwand eines Gefäßes haben, dann will das Fibrinogen uns auch vor dem Verbluten schützen und deckt diese Läsion zu. Dabei kann es zu einem Thrombus (Gerinnsel) kommen, der das Gefäß verschließt – wir haben einen Infarkt.

Fibrinogen ist also gut für uns. Zu viel davon erhöht aber das Thromboserisiko. Mehr als 4,5 g/l sollten wir nicht im Blut haben, besser wären sogar weniger als 3 g/l. Fibrinogen ist nämlich der bedeutendste Faktor für die Plasmaviskosität, also für die Dickflüssigkeit des Blutes. Es steigert darüber hinaus die Thrombozytenaggregation, fördert also die Fähigkeit der Blutplättchen zusammenzuklumpen und Gerinnsel zu bilden. Bei hohen Werten kommt es nachweislich zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen, der Schweregrad der KHK nimmt zu und Bypässe verschließen sich schneller. 

Einflussfaktoren von Fibrinogen

Erhöhung durch: 

Senkung durch:

Alter

Alkohol

Rauchen

Bewegung

Diabetes  

Omega-3-Fettsäuren

LDL-Cholesterin  

HDL-Cholesterin

Gewicht

Wechseljahre 

Wie Sie sehen gibt es einige Faktoren, die wir nicht beeinflussen können (z.B. Alter oder Wechseljahre), alle anderen Faktoren können Sie aber durchaus verändern (z.B. die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung, das Rauchen oder die Bewegung). Fatal ist, dass ein schlecht eingestellter Diabetes einerseits das Fibrinogen erhöht, andererseits beide Faktoren zusammen das Arteriosklerose- und Thromboserisiko enorm erhöhen. Alkohol in geringen Mengen senkt das Fibrinogen. Allerdings müssen Sie bedenken, dass mit Alkohol eine Gewichtsabnahme nur sehr schwer möglich ist. Wenn Sie bereits ein normales Gewicht haben, kein Bluthochdruck, keine Fettleber, keine erhöhte Harnsäure und keine erhöhten Triglyceride vorliegen, dann dürfen Sie sich gern ein Schlückchen genehmigen. Wenn nicht, dann sollten Sie darauf hinarbeiten, dass Sie sich wieder ein Schlückchen erlauben dürfen.

Hochsensitives CRP: Der Entzündungsmarker 

Das CRP (= C-reaktives Protein) steigt bei jeder Entzündung im Körper an. Ärzte verwenden diesen Marker zur Beurteilung der Aktivität von Entzündungen, dafür reichen allerdings grobe Werte aus, beispielsweise ob der Wert über 6 mg/dl liegt oder nicht. In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Arteriosklerose (nicht nur, aber) auch eine Entzündungskrankheit ist. Je mehr Entzündungsneigung im Körper vorhanden ist, desto rascher schreitet die Arteriosklerose voran. Um diese Art von Entzündung beurteilen zu können, reicht das übliche CRP allerdings nicht aus. Darum haben Laborärzte das so genannte hochsensitive CRP entwickelt, welches auch einen Bereich weit unterhalb der Werte, wie bei bakteriellen Entzündungen oder Rheumaschüben, quantitativ exakt abdeckt.

Wenn es gelingt, die Entzündungsneigung im Körper zu minimieren, dann sinkt auch das CRP und man erwartet einen langsameren Arterioskleroseprozess. Von den Medikamenten haben Acetylsalicylsäure (= ASS, z.B. Aspirin® ) und auch die modernen Cholesterinsynthesehemmern (z.B. Sortis® - siehe auch Statine) einen CRP-senkenden Effekt. 

All das kann heute laborchemisch in Speziallaboren gemessen und von darin erfahrenen Ärzten interpretiert werden. Wenn eine „unerklärliche KHK“ vorliegt, dann müssen meines Erachtens diese Risikofaktoren bestimmt werden, da bei positiven Werten oft eine Erklärung für die KHK gefunden wird.

Schulmedizinisch wird bei KHK als erstes Mittel der Wahl das ASS (Acetylsalicylsäure, z.B. Aspirin®) eingesetzt. ASS verhindert keine Arteriosklerose und beeinflusst auch nicht deren Fortschreiten. ASS hemmt lediglich das Zusammenklumpen der Blutplättchen und erniedrigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf eine bereits vorhandene Gefäßverengung ein Gerinnsel aufpfropft – nicht mehr und nicht weniger. Das Risiko, an einer KHK zu sterben, wird dadurch um einige Prozent erniedrigt. Wenn nichts dagegen spricht (z.B. ein Magengeschwür in der Vergangenheit), sollten Patienten mit KHK unbedingt ASS einnehmen. Bei jeder Therapie sollten immer Risiko und Nutzen gegeneinander abgewogen werden. Bei vernünftiger Abwägung spricht bei einer KHK alles für das ASS.

KHK - Schutz durch die richtigen Lebensmittel 

Es gibt eine ganze Reihe von Inhaltsstoffen in Lebensmitteln, die sich bei KHK als äußerst günstig erwiesen haben, z.B. Omega-3-Fettsäuren aus fetten Fischen, Lein- oder Rapsöl, Ballaststoffe in Vollkornprodukten, Gemüse und Obst. Erwähnenswert sind hier auch die rot-schwarzen Früchte, z.B. Heidelbeeren, Brombeeren, Preißelbeeren, rote Trauben Diese sind reich an Anthocyanen und wirken antioxidativ, behindern also das „Ranzigwerden“ von Fetten. Ranzig gewordenes LDL lagert sich viel leichter an den Gefäßwänden ab.

KHK - Lebensmittel aber keine sog. "Wundermittel" 

Vorsicht: In letzter Zeit kommen immer mehr „Wunderprodukte“ auf den Markt, die hohe Dosen Anthocyane (das sind Farbstoffe mit antioxidativer Wirkung) enthalten. Auch wenn 100 g einer exotischen Frucht ein Vielfaches der bei uns üblichen rot-schwarzen Früchte enthält, gibt es in einer Kapsel in der Regel immer noch weniger als etwa in 100g Weintrauben oder Heidelbeeren. 

Grundsätzlich möchte ich Ihnen bei mit vollmundigen Versprechungen angepriesenen „Wundermitteln“ folgenden Tipp geben: Wenn Sie in einer Anzeige die Kombination folgender Merkmale finden:

  hergestellt aus einem sehr seltenen oder sehr exotischen Ausgangsstoff
  abgesegnet von einem amerikanischen Professor oder einer amerikanischen Institution
  erreicht eine unglaubliche Wirkung, wie sie bisher weder durch konventionelle noch durch
      naturheilkundliche Mittel erreicht werden konnten (z.B. sichere Effekte gegen Krebs, AIDS oder
     
Arteriosklerose
  wirksam sogar bei Erkrankungen, die bisher kaum beeinflussbar sind (z.B. Tinnitus,
     
Fibromyalgie, Burnout-Syndrom)
  verheißt Erfolgsraten von 90-100 %reißerische Anpreisung des Produktes (z.B. „schmilzt Fett
      weg“, „putzt die Gefäße frei“)
  

dann, ja dann können Sie sich wirklich sicher sein, dass es sich um eine sehr unseriöse Werbung handelt und der ahnungslose, vertrauensselige Konsument hier so richtig über den Tisch gezogen wird. Bleiben Sie kritisch! 

Also, nichts gegen Anthocyane – aber nicht aus der Pillendose! Versorgen Sie sich reichlich damit, aber bitte mit ganz normalen Lebensmitteln, am besten aus biologischem Anbau. Essen Sie öfters mal eine Portion rote Weintrauben (es darf auch mal ein Gläschen Rotwein sein, am besten en barrique, dann haben Sie noch wertvolle Tannine im Glas), einen Vollkorncrêpe mit Heidelbeeren oder einen Nachtisch mit schwarzen Johannisbeeren. Mehrere Portionen davon in der Woche und Sie brauchen kein Geld für fragwürdige „Wundermittel“ auszugeben.

Durch Anthocyane blau gefärbte Brombeere Auch in der Brombeere sind reichlich Anthocyane enhalten

Denken Sie auch an andere Lebensmittel mit wertvollen Inhaltsstoffen wie Tomaten oder Wassermelonen mit dem antioxidativ wirksamen Lycopin. Auch Knoblauch hat eine gefäßschützende Wirkung. Allerdings entspricht die wirksame Dosis 4 g Knoblauch, also etwa zwei großen Zehen – roh selbstverständlich, beim Kochen geht das wertvolle Allicin verloren. Die meisten Knoblauchpillen enthalten leider das nicht wirksame Knoblauchöl. Es muss schon Knoblauchpulver oder –extrakt sein. Die Tagesdosis sollte dabei aber nicht unter 1200 mg pro Tag liegen. Das wird nur von sehr wenigen Präparaten erreicht - von Kombinationspräparaten so gut wie nie. 

Also lassen Sie sich bitte nicht von fragwürdigen Empfehlungen mit zweifelhaften ideologischen oder kommerziellen Motiven irre machen, sondern vertrauen Sie den Heilmitteln und den Lebensmitteln, die seit langem bewährt sind oder deren Wirkungen nicht nur theoretisch postuliert, sondern mit harten Beweisen belegt sind. Und vertrauen Sie den Selbstheilungskräften der Natur und Ihres Körpers.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“ www.naturarzt-access.de abgedruckt. 

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Aktualisiert: Juni 2010

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